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Anmerkungen zum Begriff "Getreideverbrennung"

Der bayrische Barde Geiss Haejm singt:
In einer Welt, in der Korn verheizt wird,
obwohl Millionen an Hunger sterben .....


Leserbrief zu einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 28.11.2001

Clever ist er - unser Landwirt F. P. aus Wangen. Kommt auch aus dem Landkreis der Millionäre - klar, dass man da rechnen kann. Weizen kostet die Hälfte von Sägemehl, also nichts wie hinein in den Ofen mit dem Dreckszeug - die Kohle ist entscheidend! Und der Mist mit der Ethik - Bauernverband und Minister (Reihenfolge!) sitzen im Boot.
Nichts spiegelt trefflicher die ins Unendliche pervertierte Situation unserer Landwirtschaft wieder. Man braucht dazu nicht einmal die Bilder weltweit hungernder Kinder bemühen. Ein mafiöses Agrarsystem reicht da völlig aus: Milliarden von Steuergeldern werden jährlich EG-weit in Produkt-Prämien, Garantie-Erzeugerpreisen, Abschöpfungen, Transport-, Exportsubventionen, Strukturfonds, Ausgleichzahlungen und Energiebeihilfen verschoben. Wie lange lassen wir Verbraucher uns solche Selbstbedienung noch gefallen?
Mein Vorschlag: Eine Euroschein-Verbrennungsmaschine, diese kommt ohne Agrarschleife aus. Mit dem Ersparten errichten wir hoch über dem Starnberger See ein Denkmal mit blattgoldflammenumkränzter Ähre und lorbeergeschmückter Tafel: "Heizen mit Weizen - der tragische Irrweg des F. P."

Dr. Wolfgang Rapp
Bund Naturschutz
Herrsching



BUND NRW e.V.
bund.nrw@bund.net
http://www.bund-nrw.de/

zum Thema:

Getreide-Verbrennung:
Sinnvolle energetische Nutzung nachwachsender Rohstoffe oder ethisch verantwortungslos?

Weizen zum Heizen?

Die Diskussion um nachwachsende Rohstoffe schlägt zuweilen seltsame Kapriolen.
Vor fünf Jahren richtete das NRW-Umweltministerium im Landwirtschaftszentrum Haus Düsse bei Soest das ‚Zentrum für Nachwachsende Rohstoffe‘ (ZNR) ein.
Hauptaufgabe des ZNR ist die thematische Aufbereitung und Beratung in allen Fragen einer Ressourcen schonenden Nutzung nachwachsender Rohstoffe. Die Arbeitsschwerpunkte Holz, Energie aus Biomasse (Pelletheizung, Biogasanlagen), Textilien, Farben und Hanf finden auch beim BUND, der beratend im Fachbeirat des ZNR mitwirkt, großes Interesse und Unterstützung. Nunmehr spricht sich der Leiter des ZNR angesichts niedriger Verkaufserlöse von konventionell erzeugtem Weizen für die Verbrennung von Getreide aus. Für den BUND ist dies fachlich wie ethisch ein Irrweg, geht es hier nicht nur um die Verbrennung von Ausfallgetreide (Mutterkorn, Schwachkorn, verschimmelte Körner), sondern auch um den gezielten Anbau von ‚Energiegetreide‘ mit hohem Brennwert. Die Diskussion um nachwachsende Rohstoffe erhält so eine neue Qualität: Ist der Landwirt bislang Nahrungsmittel- und Futtermittelproduzent, wandelt er sich beim Anbau von ‚Energieweizen‘ zum ‚Energiewirt‘, der beim Pflanzenbau nicht länger ernährungsphysiologischen, sondern nunmehr energetischen Aspekten folgt. Auch die CO 2 - und Energiebilanz ist fragwürdig. Die These, die Getreideverbrennung sei C0 2-neutral, ist unzutreffend: Sie berücksichtigt nicht die CO 2-Emissionen bei der Produktion und Ausbringung von Mineraldüngern und Pestiziden. Wichtig ist die Gesamtbilanz. Gleiches gilt für den Energieeinsatz.

Das Vorhaben ist eine Entwertung von Lebensmitteln, wie sie wohl nur in einer Überflussgesellschaft erfolgen kann. Deutlicher kann der Irrweg der Agrarindustrie kaum dokumentiert werden. Das Verbrennen von Lebensmittel auch noch als finanzielle Perspektive für Landwirte darzustellen, ist eine absolute Bankrotterklärung und löst das Grundsatzproblem der Intensivlandwirtschaft in keinster Weise. Spätestens mit der allseits angekündigten Wende in der Agrarpolitik muss das ZNR die Pläne aufgegeben. (rb)



Weitere Infos zur Getreideverbrennung vom BUND: Dipl.-Geogr. Ralf Bilke
BUND LV Nordrhein-Westfalen e.V.
Merowinger Str. 88, 40225 Düsseldorf
Tel. 0211/302005-20, Fax 0211/302005-26
e-mail: ralf.bilke@bund.net

Orginaltexte als PDF-Datei unter
http://www.bund-nrw.de/files/getreideverbrennung.pdf